Rollgroß und Rollgenua richtig einrollen – so vermeidest du Falten und Problem

Rollsegel machen das Segeln komfortabel – wenn sie richtig bedient werden. Wir zeigen, wie Rollgroß, Rollgenua und Rollbaum sauber ein- und ausgerollt werden, welche Fehler häufig zu Falten oder schwergängigen Anlagen führen und wie du Segel und Rollsystem langfristig schonst.

Rollgroß und Rollgenua richtig einrollen – so vermeidest du Falten und Probleme mit der Rollanlage

Rollgroßsegel und Rollgenua machen das Segeln komfortabel und ermöglichen es, Segelfläche schnell zu verkleinern oder die Segel vollständig zu bergen. Damit eine Rollanlage zuverlässig funktioniert und das Segel langfristig seine Form behält, kommt es allerdings stark auf die richtige Bedienung an.

Besonders häufig entstehen Probleme, wenn Segel unter zu hoher Last eingerollt werden, zu stark schlagen oder ohne kontrollierten Gegenzug aufgerollt werden. Bei Rollgroßsegeln können zusätzlich Falten oder schräg einlaufende Latten dazu führen, dass sich das Segel im Mast verklemmt.

Die wichtigste Grundregel lautet deshalb:

Ein Rollsegel sollte möglichst kontrolliert, unter geringer Last und ohne starkes Schlagen ein- und ausgerollt werden.

Warum Rollsegel häufig Probleme machen

Die meisten Probleme mit Rollsegeln entstehen nicht durch die Rollanlage selbst, sondern durch eine ungünstige Kombination aus Winddruck, Kurs zum Wind und Bedienung.

Typische Probleme sind:

  • Falten in Rollgenua oder Rollfock
  • ein ungleichmäßig aufgerolltes Vorsegel
  • ein Rollgroß, das sich nur schwer aus dem Mast ziehen lässt
  • Falten im Rollgroß
  • schräg einlaufende Segellatten
  • unnötig hohe Belastungen auf Rollleine und Mechanik
  • stark schlagende Segel beim Einrollen

Viele dieser Probleme lassen sich vermeiden, wenn das Segel vor dem Rollen möglichst weit entlastet wird.

Rollgroß richtig ausrollen

Beim Ausrollen eines Rollgroßsegels sollte zunächst kontrolliert werden, ob die Rollmechanik frei laufen kann.

Bei vielen Rollmasten gibt es dafür einen Mechanismus mit Stellungen wie Free und Ratchet.

Zum Ausrollen wird die Anlage auf Free gestellt. Dadurch kann sich die Rollmechanik frei bewegen und das Segel lässt sich aus dem Mast ziehen.

Ist das Rollgroß vollständig ausgerollt, sollte die Anlage wieder auf Ratchet beziehungsweise die vorgesehene Sperrstellung gestellt werden.

Das hat zwei wichtige Vorteile.

Zum einen kann das Segel anschließend nicht versehentlich in die falsche Richtung eingerollt werden. Zum anderen kann beim Reffen die Last von der dafür vorgesehenen Mechanik aufgenommen werden und liegt nicht ausschließlich auf der Rollleine.

Welcher Kurs ist beim Ausrollen eines Rollgroßsegels richtig?

Der optimale Kurs hängt von Rollmast, Wickelrichtung und Boot ab.

Grundsätzlich sollte das Segel beim Ausrollen nicht unnötig stark belastet sein.

Bei vielen Rollmasten erleichtert ein Kurs mit Wind von der Seite, auf der das Segel aus dem Mast geführt wird, die Bedienung erheblich.

Entscheidend ist weniger ein bestimmter Kurs als das Ergebnis:

Das Segel sollte kontrolliert aus dem Mast kommen und dabei weder stark schlagen noch unter hoher Spannung stehen.

Rollgroß richtig trimmen

Ein Rollgroß unterscheidet sich konstruktiv von einem klassischen Großsegel.

Damit das Segel vollständig in den Mast gerollt werden kann, muss es vergleichsweise flach konstruiert sein. Trotzdem sollte ein Rollgroß beim Segeln nicht automatisch möglichst flach gefahren werden.

Gerade bei leichtem und mittlerem Wind darf im unteren Bereich des Segels deutlich Profil vorhanden sein.

Das Unterliek sollte deshalb nicht unnötig stark durchgesetzt werden.

Ein gut eingestelltes Rollgroß hat im unteren Bereich ausreichend Bauch und kann dadurch deutlich effizienter arbeiten.

Bei zunehmendem Wind kann das Segel über den Ausholer beziehungsweise die Unterlieksspannung zunehmend flacher getrimmt werden.

Rollgenua und Rollfock richtig ausrollen

Bevor ein Vorsegel ausgerollt wird, sollten alle beteiligten Leinen vorbereitet werden.

Dazu gehören:

  • Rollleine kontrollieren
  • Schoten klarieren
  • Klemmen öffnen
  • prüfen, ob keine Leine verhakt ist
  • sicherstellen, dass die Rollleine sauber laufen kann

Anschließend kann das Vorsegel kontrolliert über die Leeschot ausgerollt werden.

Auch hier gilt: Je geringer die Last auf der Rollanlage, desto einfacher funktioniert das Ausrollen.

Ein leichtes Abfallen kann deshalb helfen, den Druck auf dem Vorsegel zu reduzieren.

Rollgenua richtig einrollen

Beim Einrollen einer Rollgenua ist die Kontrolle des Winddrucks besonders wichtig.

Ein häufiger Fehler besteht darin, das Vorsegel hoch am Wind einfach vollständig aufzufieren und anschließend einzurollen.

Das Segel beginnt dabei häufig stark zu schlagen.

Dadurch wird es nicht sauber aufgerollt. Es können Falten entstehen, die anschließend mit eingerollt werden und sich langfristig im Segel abzeichnen.

Besser ist es, zunächst den Druck aus dem Segel zu nehmen.

Welcher Kurs ist zum Einrollen einer Rollgenua ideal?

Zum Einrollen einer Genua oder Rollfock kann man auf einen Halbwind-, Raumwind- oder Vorwindkurs abfallen.

Besonders komfortabel ist es, wenn das Vorsegel teilweise oder vollständig in den Windschatten des Großsegels kommt.

Dadurch sinkt der Druck auf dem Vorsegel deutlich.

Das Segel kann anschließend wesentlich ruhiger und kontrollierter eingerollt werden.

Wie viel Gegenzug braucht die Schot beim Einrollen?

Ein Rollsegel sollte nicht völlig lose eingerollt werden.

Gleichzeitig sollte aber auch kein unnötig hoher Schotzug vorhanden sein.

Zu Beginn des Einrollens reicht meist sehr wenig Gegenzug.

Wenn das Segel bereits weitgehend eingerollt ist, kann die Schot etwas stärker kontrolliert werden.

Dadurch legt sich das Segel zum Ende hin kompakter und sauberer auf die Rollanlage.

Das Ziel ist eine gleichmäßige Rolle ohne große Falten oder lose Segeltuchbereiche.

Rollgroß richtig einrollen

Auch beim Rollgroß gilt:

Vor dem Einrollen möglichst viel Druck aus dem Segel nehmen.

Das Segel sollte ruhig stehen und kontrolliert in den Mast laufen.

Vor dem Einrollen sollte außerdem geprüft werden, ob die Rollmechanik korrekt eingestellt ist.

Bei Systemen mit Ratchet-Funktion sollte die entsprechende Stellung aktiviert sein, damit das Segel nur in der vorgesehenen Richtung eingerollt werden kann.

Während des Einrollens wird das Segel mit leichtem Gegenzug auf dem Ausholer kontrolliert.

Dadurch verhindert man, dass das Segel zu lose und ungleichmäßig in den Mast läuft.

Warum der Ausholer beim Rollgroß wichtig ist

Der Ausholer sorgt beim Einrollen für den nötigen Gegenzug.

Bei vielen Booten läuft die Leine allerdings über mehrere Umlenkrollen vom Mast bis ins Cockpit.

Diese Umlenkungen erzeugen bereits eine gewisse Reibung.

Deshalb ist meist keine große zusätzliche Kraft notwendig.

Das Segel soll lediglich kontrolliert geführt werden.

Zu viel Spannung ist genauso ungünstig wie zu wenig Spannung.

Rollgroß mit vertikalen Latten richtig einrollen

Bei einem Rollgroß mit vertikalen Segellatten ist besonders wichtig, dass die Latten sauber in den Mast einlaufen.

Die Latten sollten beim Einrollen möglichst parallel zur vorgesehenen Wickelrichtung laufen.

Wenn eine Latte schräg oder verdreht in den Mast gezogen wird, kann sich das Segel verklemmen.

Deshalb sollte während des gesamten Einrollvorgangs beobachtet werden, wie das Segel in den Mast läuft.

Das Segel sollte möglichst wenig schlagen.

Starkes Flattern kann zusätzliche Falten erzeugen, die anschließend in den Mast gezogen werden.

Wie weit sollte ein Rollgroß eingerollt werden?

Ein Rollgroß sollte so weit in den Mast eingerollt werden, dass möglichst wenig ungeschütztes Segeltuch der Sonne ausgesetzt bleibt.

Bei vielen Segeln bleibt lediglich ein kleiner, dafür vorgesehener Bereich am Schothorn sichtbar.

Dieser Bereich besitzt normalerweise einen entsprechenden UV-Schutz.

Der restliche Teil des Segels befindet sich geschützt im Mast.

Rollgroß am Mast oder aus dem Cockpit einrollen?

Je nach Rollmastsystem kann das Großsegel entweder über die Rollleine aus dem Cockpit oder direkt am Mast eingerollt werden.

Das Einrollen direkt am Mast hat einen entscheidenden Vorteil:

Die Kraft wird unmittelbar auf die Rollmechanik übertragen.

Umlenkrollen und lange Leinenwege fallen weg. Dadurch entsteht deutlich weniger Reibung.

Mit ausreichend Crew kann deshalb eine Person direkt am Mast rollen, während eine zweite Person im Cockpit den Ausholer kontrolliert.

Bei kleiner Crew ist die Bedienung aus dem Cockpit meist praktischer.

Wichtig ist weniger die Position, sondern dass das Segel kontrolliert und gleichmäßig eingerollt wird.

Rollbaum richtig bedienen

Bei einem Rollbaum ist die richtige Position des Baums besonders wichtig.

Der Winkel zwischen Mast und Baum entscheidet darüber, wie das Segel auf die Rolle läuft.

Ist der Baum zu tief, kann das Segel beim Einrollen zu weit nach vorne laufen.

Ist der Baum zu hoch, läuft das Segel dagegen möglicherweise zu weit nach hinten und es entsteht unnötig hohe Spannung im Bereich des Vorlieks.

Die richtige Baumposition ist deshalb einer der wichtigsten Punkte bei einem Rollbaumsystem.

Markierung für die richtige Baumposition

Eine einfache und sehr wirkungsvolle Lösung ist eine Markierung am Baumniederholer beziehungsweise Kicker.

Ist die optimale Stellung einmal gefunden, wird diese Position markiert.

Vor dem Einrollen kann der Baum anschließend immer wieder auf exakt dieselbe Position gebracht werden.

Das macht die Bedienung deutlich reproduzierbarer und reduziert Fehler.

Rollsegel bei starkem Wind einrollen

Bei stärkerem Wind steigt die Belastung auf Segel und Rollanlage erheblich.

In dieser Situation kann der Motor helfen, den scheinbaren Wind am Boot zu reduzieren.

Soll beispielsweise eine Genua eingerollt werden, kann das Boot in Windrichtung beziehungsweise auf einen tiefen Kurs gebracht werden.

Mit Motorunterstützung lässt sich die Geschwindigkeit des Boots in Richtung des Windes erhöhen.

Dadurch reduziert sich der scheinbare Wind an Bord.

Das Vorsegel wird entlastet und schlägt weniger.

Auch beim Bergen beziehungsweise Einrollen des Großsegels kann der Motor genutzt werden, um den Druck auf das Segel zu reduzieren.

Die häufigsten Fehler beim Einrollen von Rollsegeln

1. Segel unter hoher Last einrollen

Hoher Winddruck erhöht die Belastung auf Segel, Rollanlage und Leinen.

Besser: zuerst den Druck durch einen geeigneten Kurs reduzieren.

2. Das Segel stark schlagen lassen

Starkes Flattern führt häufig zu einem ungleichmäßigen Rollbild und Falten.

Besser: Segel im Windschatten oder unter möglichst geringer Last einrollen.

3. Kein Gegenzug beim Einrollen

Wird das Segel völlig lose eingerollt, kann es ungleichmäßig aufrollen.

Besser: leichten und kontrollierten Gegenzug geben.

4. Zu viel Gegenzug

Zu hohe Spannung erschwert das Rollen und erhöht die Belastung.

Besser: nur so viel Spannung wie notwendig verwenden.

5. Rollgroß mit schrägen Latten einrollen

Schräg einlaufende Latten können zum Verklemmen des Rollgroßsegels führen.

Besser: während des Einrollens beobachten, wie die Latten in den Mast laufen.

6. Falscher Baumwinkel beim Rollbaum

Eine falsche Baumposition kann dazu führen, dass das Segel nicht sauber auf die Rolle läuft.

Besser: optimale Kickerposition ermitteln und markieren.

Was tun, wenn das Rollgroß klemmt?

Wenn ein Rollgroß plötzlich schwergängig wird, sollte nicht einfach mit mehr Kraft weitergezogen werden.

Zuerst sollte geprüft werden:

  • Steht das Segel unter zu hoher Spannung?
  • Ist der Ausholer zu stark belastet?
  • Läuft eine Latte schräg in den Mast?
  • Hat sich eine Falte gebildet?
  • Ist die Rollmechanik in der richtigen Stellung?
  • Läuft die Rollleine frei?
  • Ist der Mast beziehungsweise Baum korrekt eingestellt?

Hohe Kraft auf einer Winsch kann aus einem kleinen Bedienproblem schnell einen echten Schaden machen.

Wenn sich das Segel nicht normal bewegen lässt, sollte deshalb zuerst die Ursache gesucht werden.

Wie verhindert man Falten in Rollsegeln?

Falten entstehen besonders häufig beim Einrollen unter ungünstigen Bedingungen.

Die beste Vorbeugung ist:

  • Druck aus dem Segel nehmen
  • starkes Schlagen vermeiden
  • gleichmäßig rollen
  • leichten Gegenzug geben
  • Rollvorgang beobachten
  • Segel nicht mit Gewalt einrollen

Ein sauber eingerolltes Segel lässt sich beim nächsten Segeln meist auch deutlich problemloser wieder ausrollen.

FAQ: Rollgroß, Rollgenua und Rollanlagen

Warum klemmt mein Rollgroß im Mast?

Häufige Ursachen sind Falten im Segel, schräg einlaufende Latten, zu hoher Zug auf dem Ausholer oder ein unsauber eingerolltes Segel.

Sollte ein Rollgroß sehr stramm eingerollt werden?

Nein. Das Segel sollte kontrolliert und gleichmäßig eingerollt werden, aber nicht unter unnötig hoher Spannung.

Wie rolle ich eine Rollgenua faltenfrei ein?

Reduziere zunächst den Druck auf dem Vorsegel. Rolle anschließend mit wenig, aber kontrolliertem Gegenzug auf der Schot ein.

Muss ich zum Einrollen der Genua in den Wind fahren?

Nein. Häufig ist ein tieferer Kurs sogar deutlich besser, weil das Vorsegel dadurch entlastet oder vom Großsegel abgedeckt wird.

Warum schlägt meine Genua beim Einrollen?

Das passiert häufig, wenn das Segel unter hoher Last aufgefiert wird. Durch Abfallen und Windabschattung kann das Schlagen deutlich reduziert werden.

Kann ich bei starkem Wind den Motor zum Einrollen nutzen?

Ja. Motorunterstützung kann helfen, den scheinbaren Wind und damit die Belastung auf dem Segel zu reduzieren.

Was ist beim Rollbaum besonders wichtig?

Der Winkel zwischen Mast und Baum. Eine falsche Baumposition führt häufig dazu, dass das Segel auf der Rolle nach vorne oder hinten wandert.

Fazit

Rollsegel funktionieren am zuverlässigsten, wenn sie ruhig, gleichmäßig und unter möglichst geringer Belastung bedient werden.

Für Rollgroß und Rollgenua gelten im Grunde dieselben Grundsätze:

Druck reduzieren, starkes Schlagen vermeiden, kontrollierten Gegenzug geben und beobachten, wie das Segel aufrollt.

Wer diese Punkte beachtet, reduziert nicht nur Bedienprobleme, sondern schont gleichzeitig Segeltuch, Nähte, Latten, Rollanlage und Leinen.

Besonders beim Rollgroß lohnt es sich, beim Einrollen genau hinzusehen. Ein sauber eingerolltes Segel ist die beste Voraussetzung dafür, dass es sich beim nächsten Segeltag wieder problemlos aus dem Mast ziehen lässt.


Rollsegel richtig bedienen – im Video erklärt

Wie das richtige Ein- und Ausrollen in der Praxis funktioniert, zeigen wir Schritt für Schritt an Bord.

▶️ Rollgroß, Rollgenua und Rollanlagen richtig bedienen – Video ansehen